Youssef – ein Informatiker findet seinen Weg
Eine kleine Figur auf ihrem Weg durch die Metropole Ruhr – sie rennt in verschiedenen Levels durch Dortmund, Bochum und Essen, muss Hindernisse überwinden, Münzen sammeln und Gegnern ausweichen. Am Ende kommt sie in der Gelsenkirchener VELTINS-Arena an und kann ihre Erfolge feiern. Genau wie die Jugendlichen, die 2016 am TalentCamp Ruhr teilnehmen. Nach zehn aufregenden Tagen und vielen Eindrücken lassen sie die gemeinsame Zeit bei der Abschlussveranstaltung des Ferienförderprogramms ausklingen. Sie feiern neue Erfahrungen und Kontakte, den Zusammenhalt, den sie in einer intensiven Zeit erlebt haben und natürlich all das Wissen, die Fähigkeiten und die Erkenntnisse, die sie gewonnen haben. Der 15-jährige Youssef aus Essen hat in seinem Workshop zum ersten Mal ein eigenes Computerspiel entwickelt und designt: „Jump n Ruhr“ heißt das Jump 'n' Run-Spiel, das Gamer:innen quer durchs Revier führt.

Sieben Jahre später schaut der 22-Jährige mit Dankbarkeit und ein wenig Nostalgie auf diese Zeit: „Ich würde das TalentCamp Ruhr anderen auf jeden Fall weiterempfehlen. Man lernt Gleichaltrige kennen und schließt neue Freundschaften. Auch mit den Teamern konnte man immer auf Augenhöhe sprechen und sie um Rat fragen. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück.“ Mittlerweile studiert Youssef im vierten Semester Informatik an der Hochschule Ruhr West in Bottrop. Für Computer und Technik hat er sich schon immer interessiert, das habe er von seinem Vater geerbt. Die Idee, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, entwickelt er so richtig im TalentCamp Ruhr: „Der Gedanke entstand im Camp ganz natürlich. Als Kind spielt man viele Computerspiele und durch meinen Workshop hatte ich die Möglichkeit, die Perspektive zu switchen und selbst ein eigenes Spiel zu programmieren. Ich fand es wahnsinnig faszinierend zu sehen, wie alles funktioniert und entwickelte ein starkes Interesse am Programmieren.“
Informatikunterricht in der Schule hatte Youssef nur in der fünften Klasse. Dort lernten die Schüler:innen hauptsächlich, wie sie mit Microsoft Word arbeiten. Für den IT-affinen Youssef eher langweilig; Word beherrschte er schon. Anders im Workshop des TalentCamp Ruhr: Im zehnköpfigen Team entwickeln die Jugendlichen eigenständig das Konzept ihres Spiels und teilen sich auf: Es gibt ein Expert:innenteam für das Design, die Programmierung und die Sounds. Welche Musik soll im Hintergrund laufen, mit welchen Soundeffekten wird das Einsammeln der Münzen versehen? Für die Entwicklung arbeiten die jungen IT-ler mit einer Game Engine, einer Plattform, die einfache Tools zur Programmierung zur Verfügung stellt. Heute beherrscht Youssef die Grundlagen der Programmiersprachen C/C++, Java und Python und er lernt weitere. An seine Anfänge erinnert er sich trotzdem gerne zurück.

Doch auch Youssefs eigener Weg hält einige Hürden für ihn parat. Nach dem TalentCamp Ruhr und seinem mittleren Schulabschluss wechselt er an ein Berufskolleg und macht sein Abitur mit einer fachlichen Ausbildung im Bereich „Angewandte Informatik“. „Am Berufskolleg hatte ich den ersten Kontakt mit C/C++. Der Anfang war sehr schwer, meine Mitschüler:innen waren mir weit voraus und ich habe überhaupt nichts verstanden.“ Youssef beginnt zu zweifeln:
Ist Programmieren wirklich das Richtige für ihn? Doch er bleibt dran. Zu Hause setzt er sich in Ruhe an das Skript und gibt sich die Zeit, die er braucht. Nach und nach macht er Fortschritte und entwickelt wieder Freude an dem, was er tut. „Dadurch habe ich gelernt, dass sich Dranbleiben manchmal lohnt.“ Als Informatikstudent weiß er, Programmieren heißt auch: Fehler finden und Probleme lösen: „Ständig ist man am Googeln und das geht auch erfahrenen Programmierer:innen so.“
Youssef fängt 2021 während der Corona-Pandemie an zu studieren, das erste Semester findet ausschließlich digital statt – kein leichter Start. Heute trifft er sich gerne mit seinen Kommiliton:innen in der Uni, um zu lernen. Der Austausch untereinander hilft ihm sehr. Auch als es darum geht, seinen Studiengang zu wechseln. Im Studiengang „Angewandte Informatik“ hat er, wie einige seiner Kommiliton:innen, mit den Disziplinen Elektrotechnik und Physik zu kämpfen. Als sie überlegen, in den Studiengang „Wirtschaftsinformatik“ zu wechseln, in dem es ebenfalls ums Programmieren, aber weniger um Physik geht, öffnet sich für Youssef gedanklich eine Tür. Im Wintersemester soll es für ihn los- und weitergehen, denn viele seiner Kurse kann er sich im neuen Studiengang anrechnen lassen. Youssef hat auf seinem Bildungsweg mehr gelernt als Programmiersprachen. Egal welche Hürden noch kommen, er wird sie meistern, wie die Spielfigur in seinem ersten Jump 'n' Run-Spiel. Denn: Probleme lösen kann er.
Stand: Mai 2023
Veranstalter

Das Leitprojekt Bildung

Hauptförderer seit 2017












































